James Turrell erschafft seit den 1960er Jahren immersive Kunst: In seinen Installationen und Environments wird Licht zu einer körperlichen Erfahrung. Turrells Kunstwerke widersetzen sich der schnellen Konsumierbarkeit, sie umgeben die Besucher:innen und verändern die Wahrnehmung des Lichts, lösen die Raumgrenzen auf und malen den Himmel in neuen Farben. Das architektonische Gesamtkonzept ist immer auch von der Umgebung seiner Lichträume beeinflusst, indem sowohl Sichtachsen als auch astronomische Berechnungen eine wesentliche Rolle in der Raumgestaltung spielen. Anhänger:innen seiner Kunst finden im Alpenraum drei unterschiedliche Werke, durch die James Turrells Rolle als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Künstler deutlich wird: Die Ganzfeld-Lichtinstallation „A CHAPEL FOR LUKE and his scribe Lucius the Cyrene“ im Diözesanmuseum Freising, der Shallow Space „Umbra“ in den Swarovski Kristallwelten Wattens und der Skyspace-Lech am Arlberg laden zu spektakulären Lichterlebnissen ein.

DIMU Freising
In der Hauskapelle des ehemaligen Freisinger Knabenseminars installierte James Turrell eine raumübergreifende Lichtinstallation in Form eines sogenannten Ganzfeldes. Mit Betreten des Werkes erlebt man das Phänomen des vollkommenen Verlusts der Tiefenwahrnehmung. Architektonisch liegt die Lichtinstallation auf einer Blickachse mit dem Freisinger Lukasbild. Die bedeutendste byzantinische Ikone in der Sammlung des Diözesanmuseums verleiht dem Werk auch seinen Namen: „A CHAPEL FOR LUKE and his scribe Lucius the Cyrene“.
Direktor Dr. Christoph Kürzeder: „Das Ganzfeld ist für das Museum ein großes Geschenk. James Turrell hat im früheren Gottesdienstraum des Hauses, in der Kapelle, einen Raum geschaffen, der unsere Besucher:innen fasziniert und berührt zugleich. Der hohe, zentrale Raum, einst Mittelpunkt des Hauses, Ort des Gebets und der inneren Einkehr, ist durch die Lichtinstallation wieder zum Herz des Gebäudes geworden. Der Titel ‚A CHAPEL FOR LUKE and his scribe Lucius the Cyrene‘ ist nicht nur Erinnerung an das Vergangene, sondern vor allem Ausdruck der Haltung des Künstlers zu seinem Werk. Die neue Kapelle entfaltet ihr Licht nicht nur innerhalb des Gebäudes, sondern es strahlt über das Museum hinaus. In der Dunkelheit leuchtet das Licht durch die Eingangstüre bis auf den Vorplatz, überwindet Grenzen, weckt Gefühle und setzt Gedanken frei. Damit verbindet sich das Ganzfeld vollkommen selbstverständlich mit der Architektur und der Sammlung des Museums.“

Swarovski Kristallwelten
Die Effekte der Lichtbrechung durch den Kristall und die daraus resultierenden Spektralfarben faszinieren die Besucher:innen der Swarovski Kristallwelten seit der Eröffnung im Jahr 1995. James Turrells Shallow Space „Umbra“ fügt den Wunderkammern in den Swarovski Kristallwelten, die auch Werke von Yayoi Kusama und Lee Bul ausstellen, eine leuchtende Facette hinzu. „Umbra“ ist das Licht, das sich im sanften Schatten widerspiegelt. Wie bei einer Mondfinsternis wird das Licht zu einer weichen, erfüllenden Reflexion. Schon lange war James Turrell auf ihrer Wunschliste, wie Kuratorin Carla Rumler erklärt: „Licht haucht dem Kristall Leben ein und entzündet eine einzigartige Magie. Turrells Verständnis für das Licht und die Verwendung in seiner essenziellsten Form verwandeln es für die Betrachter:innen zu einem immersiven Erlebnis. Wer es wagt, der Kraft des Lichts gegenüber offen zu sein, wird Umbra körperlich und emotional erfahren.“

Skyspace-Lech
Eine permanente Installation, die Kunst und Natur in Beziehung setzt, war die Mission des Kunstvereins Horizon Field in Vorarlberg. Bei einem persönlichen Besuch wählte James Turrell für seinen Skyspace einen charaktervollen Hügel im Ortsteil Oberlech, inmitten der eindrucksvollen alpinen Kulisse des Arlbergs. Der unterirdische Raum aus schwarzem Granit, der durch einen Tunnel erschlossen wird und eine elliptische Öffnung zum Himmel aufweist, ist bereits tagsüber ein meditatives Erlebnis. Die ganze Lichtmagie dieses „Lichtraumes am Berg“ erschließt sich den Besucher:innen bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang: Durch die von James Turrell komponierten Lichtprogramme in Verbindung mit dem natürlichen Himmel, eröffnet der Künstler den Betrachter:innen ein Seherlebnis, das sie die Funktionsweise ihrer Wahrnehmung erfahren lässt. 
Otto Huber, Vereinsobmann Horizon Field, nennt den Skyspace-Lech „ein einzigartiges Wahrnehmungserlebnis, voller Ästhetik und konzeptioneller Klarheit.“

James Turrell
James Turrell (*1943 in Los Angeles, Kalifornien), einer der renommiertesten Vertreter der internationalen Kunstszene, experimentiert in seinen Arbeiten seit 50 Jahren mit natürlichen und künstlichen Lichtquellen und kreiert in seinen Installationen Räume, in denen Licht als Medium visuell erlebbar gemacht wird. „Ich liebe die Arbeit mit Licht und setze es gerne auf eine Art und Weise ein, die es Betrachtern als raumfüllendes Medium physisch begreifbar macht“, so Turrell. „Durch den Einsatz von Sonnen-, Mond- und Sternenlicht möchte ich einem Kunstwerk mehr Ausdruck verleihen.“ 

In seinen Lichtinstallationen und -räumen verfolgt Turrell das übergeordnete Ziel, aus dem künstlerischen Medium Licht eine physisch wahrnehmbare Erfahrung zu machen. Räume werden nicht nur beleuchtet, sondern durch Licht und Lichtfarben definiert und so visualisiert. Turrells Installationen zeugen vom genialen Spiel des Künstlers mit der Wahrnehmung – architektonische Gegebenheiten werden durch den kreativen Einsatz von Licht beinahe gänzlich aufgelöst. Eine gewöhnliche Raumecke kann so zum großen Schauplatz für das Wechselspiel zwischen Fläche, Farbe und Raum werden.

Nach Abschluss seines Studiums der Mathematik und Psychologie entschied sich James Turrell, als Lichtkünstler tätig zu werden. Die für ihn wichtigste Frage war, wie man Licht Form verleihen sollte. Im Jahr 1967, für seine erste Ausstellung im Pasadena Art Museum, projizierte er Lichtwürfel in die Ecken der Ausstellungsräume, die nicht nur die räumliche Dynamik der Ausstellung veränderten, sondern einen zugleich unbeweglichen wie freischwebenden Effekt erzielten. Im darauffolgenden Jahr erhielt Turrell ein Stipendium des National Endowment for the Arts.

Turrell blickt auf mehr als 160 Einzelausstellungen auf der ganzen Welt seit 1967 zurück, unter anderem die 2013 zeitgleich laufende Ausstellung am New Yorker Guggenheim Museum, dem Los Angeles County Museum of Art (LACMA) und dem Museum of Fine Arts in Houston, Texas. Insbesondere der Ausstellungsteil in New York wurde zu einem Sensationserfolg, weit über die Grenzen der internationalen Kunstszene hinaus. 2014 folgten weitere spektakuläre Einzelausstellungen in Jerusalem (Israel Museum) und Canberra (National Gallery of Australia). 2018 und 2019 widmete man dem Künstler Retrospektiven im Museum Frieder Burda (Baden-Baden) sowie im Museo Jumex (Mexiko-Stadt).

Seit dem Beginn seiner Karriere wurde der Künstler mit über 20 Preisen geehrt, darunter die John D. and Catherine T. MacArthur Foundation Fellowship (1984), die Ernennung zum „Chevalier des Arts et des Lettres“ seitens der französischen Regierung (1991) sowie die Verleihung der Nation Medal of Arts durch US-Präsident Barack Obama (2014).

Turrells Arbeiten sind in über 70 internationalen Kunstsammlungen vertreten, darunter das Solomon R. Guggenheim Museum in New York City, das New Yorker Museum of Modern Art (MoMA), das Centre Georges-Pompidou in Paris, das Museum für angewandte Kunst in Wien sowie das MuseumMKK für Moderne Kunst in Frankfurt am Main.

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Diözesanmuseum Freising
Nina Schuster

Swarovski Kristallwelten
Alexandra Mühlbacher
T +43 5224 500-3331 

Skyspace-Lech
Renée Jud

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James Turrells Shallow Space „Umbra“ fügt den Wunderkammern in den Swarovski ...weiter

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