Tirol weist die höchste Lebenserwartung Österreichs auf – 85,3 Jahre bei Frauen und 80,9 Jahre bei Männern. Doch auch hierzulande sind die letzten 10 bis 15 Lebensjahre häufig von chronischen Erkrankungen geprägt. Genau hier setzt der Kongress an: Prävention und Healthy Aging als gesellschaftliche Aufgabe und als Chance für Tirol als Gesundheitsraum. Dass der Kongress in Tirol bestens aufgehoben ist, unterstreicht auch der Standort: Mehr als 80 spezialisierte Unternehmen und fast 10.000 Studierende im Life-Sciences-Bereich machen Tirol zu einem der dynamischsten Gesundheits- und Forschungsstandorte Europas.
Tirol setzt auf Prävention
Für Martin Reiter, Geschäftsführer der Lebensraum Tirol Gruppe, war der Kongress ein wichtiger Schritt, um wissenschaftlich fundiertes Wissen zum Thema Gesundheitsförderung sichtbar zu machen: „Mit dem Gesundheitskongress bringen wir die richtigen Akteurinnen und Akteure zusammen, damit aus der Forschung noch mehr wirksame Maßnahmen für unser Land entstehen. Tirol ist weit mehr als ein schöner Naturraum – es ist eine Marke, die für Lebensqualität und Wohlbefinden steht. Unsere Markenmessung zeigt klar, dass die Menschen hier Natur, Erholung und ein starkes Gesundheitssystem schätzen. Genau dieses Potenzial wollen wir mit ‚Gesundes Tirol‘ weiter stärken.“
Der Kongress schaffte eine breite Vernetzung: Akteur:innen aus Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft, öffentlicher Hand und Wissenschaft brachten die Gesundheitsförderung gemeinsam voran. Genau diesen Brückenschlag zwischen Forschung und gelebter Praxis betonte auch die Gesundheitsdirektorin des Landes Tirol, Dr. Theresa Geley: „Für Tirol ist entscheidend, Prävention dort zu stärken, wo Gesundheit entsteht: in den Lebenswelten der Menschen. Der Kongress bietet eine gute Gelegenheit, aktuelle Erkenntnisse einzuordnen und gemeinsam zu diskutieren, wie wir wirksame Maßnahmen nachhaltig in die Praxis bringen.“
Aktuelle Studie: Frauengesundheit als strukturelle Aufgabe
Ein konkretes Beispiel dafür, wie Wissenschaft und Gesundheitspolitik zusammenwirken können, lieferte der Kongress gleich mit: Eine aktuelle Studie des Forschungskonsortiums aus fh gesundheit, MCI und UMIT Tirol – durchgeführt im Auftrag des Landes Tirol – lieferte erstmals eine fundierte Datengrundlage zur Gesundheit von Frauen in unterschiedlichen Lebensphasen.
Ein ganzheitlicher Blick auf Gesundheit
Die Ergebnisse sind eindeutig: Gesundheitliche Herausforderungen variieren stark nach Lebensphase – von psychischer Gesundheit und Körperbild bei Jugendlichen über Vereinbarkeit von Beruf und Familie bei erwachsenen Frauen bis hin zu chronischen Erkrankungen im Alter. Hinzu kommen strukturelle Defizite: lange Wartezeiten, fehlende wohnortnahe Angebote, mangelnde Koordination im Versorgungssystem. „Frauengesundheit ist keine individuelle Frage, sondern eine strukturelle. Prävention, psychische Gesundheit und Gesundheitskompetenz müssen konsequent in alle Lebensphasen integriert werden und die Versorgung muss sich an den Lebensrealitäten von Frauen orientieren", betonte Gesundheitsexpertin Prof.in (FH) Eva-Maria Jabinger.
Univ.-Prof. Dr. Christian Schubert von der Medizinischen Universität Innsbruck zeigte eindrücklich, dass alltägliche Erfahrungen – von chronischem Stress bis hin zu stabilen sozialen Beziehungen – biologische Prozesse und damit Gesundheit und Krankheit maßgeblich beeinflussen. Univ.-Prof. Dr. Anne Hecksteden widmete sich der Rolle von Bewegung für Prävention und gesundes Altern, während Univ.-Prof. Dr. Anna Buchheim die Bedeutung von Bindung und sozialen Beziehungen für die Gesundheit über die Lebensspanne beleuchtete. Univ.-Prof. Dr. Martin Grassberger, Humanmediziner und Biologe, zeigte den direkten Zusammenhang zwischen Bodengesundheit und menschlicher Gesundheit auf: Je größer die mikrobielle Vielfalt im Boden, desto reicher die Versorgung mit essenziellen Nährstoffen und Mineralstoffen auf unserem Teller. Der Boden sei damit nicht nur Grundlage der Landwirtschaft, sondern ein zentrales Reservoir für Gesundheit. Die Hoteliers Elisabeth Gürtler, Alpin Resort Sacher Seefeld-Tirol und Franz-Josef Pirktl, Alpenresort Schwarz, betonen, dass sich auch Wellnesshotels im Bereich Prävention und Longevity künftig weiterentwickeln müssen, um nachhaltig Tourismusangebote an die Bedürfnisse der Gesellschaft anzupassen. Beide bieten ein umfangreiches Angebot mit ärztlicher Begleitung an.
„Gesundheit ist ein zentraler Standortfaktor – für Menschen, die in Tirol leben, und für jene, die es als Lebensraum wählen wollen. Ein attraktiver Lebensraum bedeutet mehr als Natur und Infrastruktur: Menschen bleiben dort, wo sie sich gesund und gut versorgt fühlen. Genau deshalb ist das Thema bei uns in der Standortagentur Tirol strukturell verankert“, so Marcus Hofer, Geschäftsführer der Standortagentur Tirol.