HELIOPLANT und OLM Nature Escape gewinnen Alps Future Award 2026
Im Rahmen des dritten AlpenKlimaGipfel, der auf der Tiroler Seite der Zugspitze stattfindet, wurde am 23. Juni 2026 erstmals der Alps Future Award vergeben. In der Kategorie Lebensraum Tirol setzten sich das Projekt „HELIOPLANT® Tiefenbachgletscher Sölden" durch. In der Kategorie Tourismus gewann das Eco Aparthotel OLM Nature Escape aus dem Südtiroler Ahrntal. Vergeben wird der Award von der Lebensraum Tirol Gruppe und dem alpenweiten Tourismusnetzwerk AlpNet. Der Prozess wurde vom MCI Tourismus wissenschaftlich begleitet.
Datum: 23.06.2026
Ort: Ehrwald, Tiroler Zugspitz Arena
Ressorts: Energie, Gesellschaft, Innovation, Tourismus, Umwelt
Kunde: AlpenKlimaGipfel - Gespräche auf der Zugspitze
„Die Klimaveränderung macht an keiner Landesgrenze halt – und sie betrifft den Alpenbogen besonders stark. Genau deshalb müssen wir unseren Blick auf den gesamten Alpenraum richten. Wir haben es in der Hand, unseren Beitrag für den Klimaschutz zu leisten und uns mit Klimawandelanpassungsmaßnahmen auf die Zukunft vorzubereiten. Wir wollen deshalb ganz besondere Initiativen vor den Vorhang holen: Helioplant und OLM Nature Escape zeigen, dass Innovation und Verantwortungsbewusstsein Hand in Hand gehen können. Ich gratuliere den Gewinnern herzlich – aber auch allen anderen Finalisten, die mit ihren Projekten beweisen, dass nachhaltiger Wandel längst gelebte Realität ist“, betonte Tirols Landeshauptmann Anton Mattle bei der Überreichung im Zugspitzsaal in Ehrwald.
Auswahlverfahren Alps Future Award
Eine siebenköpfige Expert:innenjury aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol sichtete insgesamt 75 Einreichungen – 26 Projekte in der Kategorie Lebensraum Tirol und 49 in der Kategorie Tourismus – und nominierte je drei Finalisten pro Kategorie. Entscheidend für die Auswahl waren nicht Ideen allein, sondern nachweisliche Wirkung: Was wurde umgesetzt? Welche Erkenntnisse lassen sich übertragen? Wie stark löst ein Projekt tatsächlich Veränderung aus? Aus den Finalisten wurden die Sieger in einem mehrstufigen Bewertungsverfahren ermittelt.
Gewinner Kategorie Lebensraum Tirol
Das baumförmige Photovoltaiksystem HELIOPLANT®, entwickelt von den beiden Unternehmen „ehoch2“ und „i.n.n.“, hält sich durch Luftverwirbelungen dauerhaft selbst schneefrei und ermöglicht damit erstmals eine ganzjährige, zuverlässige Stromproduktion in hochalpinem Gelände. Seit 2023 läuft eine Testanlage am Tiefenbachgletscher in Sölden mit 90 Kilowatt-Peak (kWp). Bis Herbst 2026 folgt eine Erweiterung auf 6,3 Megawatt-Peak (MWp), die rund 35 % des Strombedarfs der Bergbahnen Sölden abdecken soll.
Martin Reiter, Geschäftsführer der Lebensraum Tirol Gruppe, überreichte gemeinsam mit Landeshauptmann Anton Mattle den Preis und zeigte sich begeistert: „Das Team von Helioplant hat bewiesen, dass technische Innovation und alpiner Lebensraum kein Widerspruch sind – ganz im Gegenteil. Mit ihrer Entwicklung schaffen sie eine Lösung, die dort funktioniert, wo konventionelle Lösungen an ihre Grenzen stoßen: mitten im Hochgebirge, das ganze Jahr über. Tirol braucht genau solche Projekte, die zeigen, dass nachhaltiges Wirtschaften ökologisch verantwortungsvoll, gesellschaftlich wertvoll und ökonomisch erfolgreich sein kann."
Gewinner Kategorie Tourismus
Das OLM Nature Escape im Südtiroler Ahrntal zählt zu den ersten nahezu energieautarken Eco-Aparthotels im gesamten Alpenraum. 1.200 Photovoltaikmodule, 126 Erdwärmesonden und Wasserkraft arbeiten Hand in Hand und erzeugen gemeinsam rund 600.000 kWh Strom jährlich – genug, um den Betrieb nahezu vollständig aus eigener Kraft zu versorgen. Auch wirtschaftlich überzeugt das Projekt auf ganzer Linie: Vollständig eigenfinanziert, mit einer Auslastung von 87,5 %, und 18 von 22 Mitarbeitenden aus der unmittelbaren Region, ist das Projekt der Beweis dafür, dass zukunftsfähiger Tourismus im Alpenraum bereits Realität ist.
„OLM Nature Escape ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie Tourismus in den Alpen die Balance findet – zwischen Erlebnis und Erhaltung, zwischen wirtschaftlichem Erfolg und ökologischer Verantwortung. Das Projekt zeigt, dass gelebte Nachhaltigkeit kein Nachteil ist, sondern ein echter Wettbewerbsvorteil. Herzlichen Glückwunsch dem gesamten Team“, so Karin Seiler, Geschäftsführerin der Tirol Werbung und Präsidentin von AlpNet.
Alps Future Award Expert:innenenjury
Den Vorsitz der siebenköpfigen Expert:innenenjury übernahm Prof. Hubert Siller, Leiter des MCI Tourismus in Innsbruck, der den gesamten Award-Prozess wissenschaftlich begleitete. An seiner Seite wirkten Andrea Fischer (Glaziologin und Mitglied des Advisory Boards des AlpenKlimaGipfels), Dhara Meyer (Energieagentur Tirol), Harald Pechlaner (Eurac Research), Matthias Krapf (Verlagsleiter der Moser-Holding und Chefredakteur der Tiroler Tageszeitung), Ralf Roth (Deutsche Sporthochschule Köln und Mitglied des Advisory Boards des AlpenKlimaGipfels) sowie Sabine Müller (Hochschule Luzern). Als Mitglieder des Advisory Boards des AlpenKlimaGipfels und maßgebliche Teile der Alps Future Award-Jury sind Andrea Fischer und Ralf Roth das Bindeglied zwischen beiden Formaten.
Der Alps Future Award würdigt Initiativen und Projekte, die den Wandel im Alpenraum nicht nur begleiten, sondern aktiv gestalten – dort, wo ökologische Verantwortung, wirtschaftliche Innovation und gesellschaftliche Wirkung ineinandergreifen. Im Fokus stehen Projekte, die Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und soziale Verantwortung verbinden, Arbeitsplätze sichern und Umweltressourcen schonen.
Jury-Vorsitzender Prof. Hubert Siller zieht ein positives Fazit: „Die Qualität und Vielfalt der eingereichten Projekte hat uns als Jury wirklich beeindruckt. Aus dem gesamten Alpenraum wurden Lösungen eingereicht, die zeigen, dass Antworten auf die drängenden Fragen unserer Zeit bereits in der Praxis angekommen sind. Was uns besonders gefreut hat, ist die Tatsache, dass diese Projekte nicht nur ökologisch überzeugen, sondern auch wirtschaftlich funktionieren – das ist die entscheidende Voraussetzung dafür, dass sie Schule machen.“
Die weiteren Finalisten des Alps Future Awards 2026
Kategorie Lebensraum Tirol
Energiewende im Gründerzeithaus: 78 % CO₂-Reduktion (Tiroler Versicherung V.a.G., Innsbruck)
Das Wohn- und Geschäftshaus Museumstraße 24 (Baujahr 1911, 19 Wohnungen) wurde bei laufendem Betrieb vollständig dekarbonisiert: Ein Low-Temperature-Loop-System, eine PV-Anlage und thermische Sanierung reduzieren den Endenergieverbrauch von 163,6 auf 38,5 kWh/m²/Jahr. Die Investition von 3,2 Mio. Euro entspricht den Kriterien der EU-Taxonomie; das Projekt wurde mit klimaaktiv Silber ausgezeichnet. Als skalierbares Modell zeigt es Wirkung weit über das einzelne Gebäude hinaus – relevant für hunderte Gründerzeitgebäude in Tirol.
Nachhaltige Lebensmittelzustellung mit E-LKW (Eurogast Grissemann)
Als erstes Unternehmen im Alpenraum beliefert Eurogast Grissemann Tourismusbetriebe mit sieben vollelektrischen LKWs – inklusive elektrischer Kühlung – auch oberhalb von 2.000 Metern Seehöhe. Die Ladeenergie stammt aus einer hauseigenen PV-Anlage mit knapp 2.000 kWp. Drei weitere E-LKWs folgen im Herbst 2026.
Kategorie Tourismus
Allgäu-Walser-Pass: Ein Code für alle Fälle (AlpNet-Region Allgäu Tourismus, Deutschland)
Ein QR-Code als ÖPNV-Ticket, Bergbahn-Ticket, Erlebnis-Ticket und digitaler Gästepass für 40 Gemeinden im Allgäu und Kleinwalsertal. Seit November 2024 wurden über 2,7 Millionen digitale Pässe aktiviert und mehr als 650.000 App-Downloads verzeichnet. Das System leistet einen messbaren Beitrag zur Reduktion des motorisierten Individualverkehrs und stärkt regionale Wertschöpfung sowie gesellschaftliche Teilhabe.
Eggental Taste Local – Regionale Kreisläufe neu gedacht (AlpNet-Region IDM Südtirol-Alto Adige, Italien)
Mit Eggental Taste Local zeigt das Südtiroler Eggental, wie Tourismus und Landwirtschaft gemeinsam nachhaltige regionale Kreisläufe stärken können. Seit 2022 beliefern rund 14 Bäuerinnen und Bauern etwa 30 Gastronomiebetriebe direkt mit ihren Produkten. Das Besondere: Die Produzent*innen legen die Preise selbst fest, der Austausch erfolgt unkompliziert über mehrere gemeinsame WhatsApp-Gruppen. Das Projekt schafft faire und verlässliche Absatzmöglichkeiten für die Landwirtschaft und ermöglicht der Gastronomie gleichzeitig den Zugang zu hochwertigen, saisonalen Produkten aus unmittelbarer Umgebung.