Österreichs Reformfähigkeit im Fokus beim 10. Tiroler Adler Forum
Unter dem Titel „System Österreich: Bürokratie als Staatsprogramm?“ widmete sich das 10. Tiroler Adler Forum am 22. September 2026 im BTV Stadtforum in Innsbruck Österreichs Reformstau. Nach einem Impulsvortrag von Politikwissenschaftler Peter Filzmaier beleuchtete eine Expert:innenrunde institutionelle Blockaden und die Frage, wie Österreich wieder handlungsfähiger werden kann.
Datum: 23.09.2026
Ort: Innsbruck
Ressorts: Events, Politik, Wirtschaft
Kunde: Tiroler Adler Runde
Christian Handl, Präsident der Tiroler Adler Runde, verwies in seiner Begrüßung auf Österreichs Abwärtstrend. „Österreich stand einst für Stabilität, Fleiß und wirtschaftliche Kraft. Doch heute wird unser Land zunehmend als Verwaltungsstaat wahrgenommen, der sich selbst genügt“, so Handl. Im Namen der Tiroler Adler Runde hielt er fest: „Österreich ist nicht am Ende, aber am Scheideweg. Wir haben sehr viele Potenziale, was uns aber fehlt, ist der Mut, das eigene System zu hinterfragen.“
Politische Risikovermeidung und institutionelle Blockaden
Peter Filzmaier beleuchtete in seinem Vortrag aktuelle politische Herausforderungen auch mit Blick auf die bevorstehenden Landtagswahlen: „Die österreichische Politik macht einen Kardinalfehler, den die Wirtschaft nicht macht, denn eine Grundregel in der Wirtschaft lautet: Ruiniere niemals die eigene Marke“, so der Politikexperte.
In der anschließenden Diskussion mit Filzmaier, Meret Baumann (NZZ-Korrespondentin) und Ferdinand Wegscheider (ServusTV-Kolumnist) ging es um die Frage, warum notwendige Reformen in Österreich nicht oder nur langsam umgesetzt werden. Thematisiert wurden unter anderem das Mehrheitswahlrecht und seine möglichen Auswirkungen auf Österreich sowie die unterschiedlichen Ausprägungen direktdemokratischer Entscheidungen in der Schweiz und in Österreich.
Ferdinand Wegscheider resümierte: „In Deutschland und Österreich neigt die Bevölkerung zu einem Untertanen-Bewusstsein, während sie in anderen Ländern viel schneller auf die Straßen geht. Wenn das so weitergeht, wird aber auch in Österreich der Punkt kommen, an dem die Menschen sagen ,jetzt reicht es uns‘.“
Weitere Themen des Abends waren der österreichische Föderalismus, der Sozialstaat sowie Vorschriften und bürokratische Regelungen.
„Regeln wären da, aber der Vollzug funktioniert nicht richtig und somit kommen immer neue Regulierungen hinzu“, analysierte Meret Baumann.
Franz Schellhorn, Direktor der Agenda Austria, hielt in einer Videobotschaft an das Publikum des 10. Tiroler Adler Forums fest: „Ein gewisses Maß an Regulierung ist wichtig und richtig – jedes Unternehmen braucht Regeln, jeder Bürger braucht Regeln. Aber das vernünftige Maß an Regulierung ist längst überschritten, nicht nur in Österreich, sondern in ganz Europa. Das müssen wir dringend ändern, denn das ist einer der Hauptgründe, warum Unternehmertum schwindet.“
Mit dem 10. Tiroler Adler Forum brachte die Tiroler Adler Runde politische, gesellschaftliche, mediale und wirtschaftliche Perspektiven zur Reformfähigkeit Österreichs zusammen.
Über die Tiroler Adler Runde
Die Tiroler Adler Runde ist eine politisch unabhängige Plattform namhafter Unternehmerpersönlichkeiten aus unterschiedlichen Branchen. Sie verbindet Gründergeist, Weitblick und eine tiefe Verbundenheit mit ihrer Tiroler Heimat. Die Runde versteht sich als eine impulsgebende Ideenschmiede, mit dem klaren Ziel, bestmögliche Rahmenbedingungen für eine starke Tiroler Wirtschaft. Die Mitglieder pflegen einen stetigen und offenen Austausch hinsichtlich gegenwärtiger und zukünftiger Entwicklungen und Herausforderungen unter Miteinbeziehung gesellschaftlich relevanter Bereiche und Institutionen.
O-Ton Christian Handl, Präsident der Tiroler Adler Runde
O-Ton Klaus Mark, Pressesprecher der Tiroler Adler Runde
O-Ton Ferdinand Wegscheider, ServusTV-Kolumnist
O-Ton Meret Baumann, NZZ-Korrespondentin
O-Ton Peter Filzmaier, Politikwissenschaftler