Paralympische Winterspiele 2026 in Innsbruck/Tirol: Chance für ein barrierefreies Tirol

Bereits zweimal war Innsbruck Gastgeber Olympischer Winterspiele: 1964 und 1976. Dass aber auch das Paralympische Feuer schon zweimal in Innsbruck/Tirol brannte, nämlich 1984 und 1988 wissen die wenigsten. Mit dem vorliegenden, nachhaltigen Konzept wäre Innsbruck/Tirol 2026 Gastgeber für Olympische und Paralympische Winterspiele auf Augenhöhe, bei denen der Sport wieder im Mittelpunkt steht. Dass die Paralympics eine besondere Strahlkraft entwickeln können, ist spätestens seit London 2012 bekannt. Jedenfalls sind die Spiele eine Chance für die Sensibilisierung der Gesellschaft, die Inklusion von Menschen mit besonderen Bedürfnissen und die Forcierung barrierefreier Einrichtungen und Mobilitätslösungen.

02.10.2017 Innsbruck Politik, Sport, Tourismus, Wirtschaft

V.l.: Helmut Kritzinger, Landesobmann Tiroler Seniorenbund, Andreas Altmann, MCI Management Center Innsbruck, Eva-Maria Jöchl, Nachwuchsathletin, Michael Knaus, ÖSV Sportlicher Leiter Sparte Behindertenskilauf und Obmann des ÖZIV Tirol und Claudia Lösch, zweifache Goldmedaillengewinnerin von Vancouver 2010 widmeten sich in der Pressekonferenz der Bedeutung Paralympischer Spiele für Tirol und den Chancen, die sich daraus ergeben würden.

Seit 2001 finden durch eine Vereinbarung zwischen dem IOC und dem IPC Paralympische Spiele immer rund zwei Wochen nach Abschluss der Olympischen Spiele am selben Veranstaltungsort und an denselben Wettkampfstätten statt. Eine mögliche Bewerbung von Innsbruck/Tirol erfolgt daher für beide Großveranstaltungen gleichermaßen. „In der Machbarkeitsstudie wurden sowohl die mögliche Austragung Olympischer als auch Paralympischer Winterspiele 2026 in Innsbruck/Tirol gleichberechtigt analysiert und budgetär berücksichtigt“, so Andreas Altmann vom MCI Management Center Innsbruck, einer der Co-Autoren der Machbarkeitsstudie. Dabei zeigte sich, dass die notwendigen Sportstätten olympiafit sind und das Durchführungsbudget für beide Spiele, das mit einer Höhe von 1.175 Mio. EUR (2026) deutlich unter dem Durchschnitt der letzten drei Ausgaben der Olympischen und Paralympischen Winterspiele läge, von den Experten als realistisch und aus den Einnahmen der Spiele finanzierbar betrachtet wird.

Ähnlich zum Olympia-Konzept  würde auch bei den Paralympischen Winterspielen der Sportstättenanteil im Bestand mit 86% den Durchschnitt der vorherigen Ausrichter deutlich übersteigen – die möglichen Paralympischen Wettkampfstätten im Detail:
Tivoli Stadion Tirol (Eröffnungs- und Schlussfeier; Bestand), Olympiahalle (Sledge-Eishockey; Bestand), Tiroler Wasserkraft Arena (Rollstuhlcurling; Bestand), Snow Park Kühtai (Para-Snowboard; temporär); St. Anton am Arlberg (Ski Alpin – alle Disziplinen; Bestand), Biathlonzentrum Hochfilzen (Biathlon; Bestand), Nordic Arena Seefeld (Ski Nordisch; Bestand), Olympia Eiskanal Innsbruck/Igls (Bobsport; Bestand).

Mehrwert für die Gesellschaft

Experten sind sich einig: London 2012 bot Paralympische Spiele, wie es sie vorher noch nicht gegeben hatte: Voller Emotion, Aufmerksamkeit und Begeisterung für die sportlichen Leistungen der Athleten – egal ob mit oder ohne Behinderung. Spiele derselben Natur, die darüber hinaus von einem nachhaltigen und wirtschaftlich tragfähigen Konzept getragen werden, wären 2026 nun auch in Innsbruck/Tirol möglich.

Für die Präsidentin des Österreichischen Paralympischen Committees, Maria Rauch-Kallat liegen die Chancen einer möglichen Bewerbung von Innsbruck/Tirol vor allem in der Bewusstseinsbildung und Sensibilisierung der Bevölkerung: „2026 hat Österreich die Chance, die Olympischen und Paralympischen Spiele zurück nach Österreich zu bringen und mit dem einzigartigen Spirit dieser sportlichen Großveranstaltung Menschen weltweit zu begeistern und zu inspirieren. Für die olympische sowie für die paralympische Bewegung in Österreich wäre es von unglaublichem Wert, die Spiele im eigenen Land veranstalten zu können. Eine Machbarkeitsstudie hat klar aufgezeigt, dass erstmals in der Geschichte ausschließlich auf bereits bestehende Sportstätten zurückgegriffen wird und diese sowohl von den Olympischen als auch von den Paralympischen Veranstaltungen gleichermaßen genutzt werden können – Österreich hat damit die einmalige Chance, international ein großartiges Zeichen zur Nachhaltigkeit zu setzen. Aber nicht nur medial und wirtschaftlich bringt die Ausrichtung von Olympischen und Paralympischen Spielen langfristige Wertschöpfung, sondern auch in der Wahrnehmung der Bevölkerung. So  schaffen wir es, die Akzeptanz des Behinderten-Spitzensports in der Gesellschaft weiter zu erhöhen und die Leistungen der paralympischen Athletinnen und Athleten noch mehr im Bewusstsein der Bevölkerung zu verankern.“

Michael Knaus, Sportlicher Leiter der Sparte Behindertenskilauf beim ÖSV und Obmann des ÖZIV Tirol (der Interessenvertretung von Menschen mit besonderen Bedürfnissen) sieht das ähnlich: „Tirol und Österreich würden von der Austragung Olympischer und Paralympischer Winterspiele 2026 auf vielen Ebenen profitieren. Zum einen ist das vorliegende Konzept mit ausschließlich bestehenden Wettkampfstätten einzigartig und meiner Meinung nach zu 100% nachhaltig. Zum anderen wären die Spiele Impulsgeber, um noch viel mehr junge Menschen – ob mit oder ohne Behinderung für den Sport zu begeistern.“ Für die Strukturen im Spitzensport, aber auch im Breitensport gebe es nichts Besseres als Olympische und Paralympische Spiele im eigenen Land, so Knaus. Auch das Thema der Barrierefreiheit sei an dieser Stelle nicht zu unterschätzen. Nicht nur Menschen mit Behinderungen seien auf Mobilitätslösungen und Infrastrukturen angewiesen, die zugänglich sind, sondern die gesamte Gesellschaft, die immer älter wird, profitiere von barrierefreier Bauweise.

Helmut Kritzinger, Landesobmann des Tiroler Seniorenbunds unterstreicht diese Einschätzung: „Dank der Fortschritte in der Medizin wird unsere Gesellschaft immer älter und Senioren werden künftig einen immer größeren Teil der Bevölkerung ausmachen.“ Aktive Sport- und Freizeitgestaltung im Alter mache die Pension lebenswert und man könne endlich das tun, wofür man während des Berufslebens keine oder wenig Zeit gehabt hätte. Im Laufe der Zeit, so Kritzinger könne es aber zu Einschränkungen kommen. Kritzinger weiter: „Damit diese Einschränkungen nicht zur Belastung werden, muss die Infrastruktur passen. Und genau an dieser Stelle können Paralympische Spiele im gesamten Land einen Motor darstellen.“

Olympische und Paralympische Winterspiele mit Emotion und Kompetenz

Claudia Lösch, zweifache Goldmedaillengewinnerin bei den Paralympics in Vancouver 2010 und Gesamtweltcupsiegerin im Ski Alpin Damen Sitzend glaubt an Spiele voller Emotion in Innsbruck/Tirol: „In Vancouver habe ich Paralympische Spiele mit einer Stimmung erlebt, die kaum in Worte zu fassen ist. Bei der Siegerehrung nach dem Slalom, wo ich meine erste Goldmedaille geholt hatte, empfing mich ein Fahnenmeer und tausende begeisterter Zuschauer. Aber nicht nur mitgereiste kleine Fangruppen, sondern auch Einheimische, die für den Sport brannten. Ich bin mir sicher in Innsbruck wäre das ähnlich und genau solche Spiele wünscht man sich als Athletin.“  Lösch stellt erfahrenen Austragungsstätten aber nicht nur im Hinblick auf die Stimmung ein gutes Zeugnis aus, sondern auch hinsichtlich der sportlichen Bedingungen: „Oft sind es Kleinigkeiten, die den Ausschlag geben – in Vancouver hatten wir immer top präparierte Pisten. Sogar als es einmal regnete, konnte man fahren. Sotschi war hingegen durchwegs schwierig. Die Tiroler haben die Kompetenz, müssen niemanden einfliegen, sondern sorgen selbst für optimale Wettkampfbedingungen. Das spart natürlich Kosten und ist auch für die Sportler ein großer Vorteil.“

Diesen Startvorteil bei möglichen Heimspielen auszunützen, darauf hofft die St. Johanner Nachwuchsathletin Eva-Maria Jöchl. Sie trainiert derzeit im C-Kader Ski Alpin Damen Stehend des ÖSV und hat bereits recht konkrete Vorstellungen, wo die sportliche Reise hingehen soll: „Mein großes Ziel ist eine Teilnahme bei den Paralympics 2022. Spiele in meiner Heimat Tirol 2026 wären aber natürlich die Krönung meiner sportlichen Laufbahn.“  Aufgrund ihrer Ausbildung und Berufserfahrung außerhalb des Sports sieht die Gesamt-Austria-Cup Siegerin 2016/2017 aber auch den Werbewert der Veranstaltung: „Olympia ist die größte Wintersportmarke der Welt. Ich bin mir sicher, dass Tirol mit neuen und bodenständigen Winterspielen auch im Hinblick auf das Image profitieren wird. Innsbruck/Tirol wäre weltweit in aller Munde, als jene Region, die endlich wieder den Sport in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rückt.“

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Olympische Winterspiele 2026, Innsbruck/Tirol 2026

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